Automatisiertes Fahren ist einer der Mega-Trends der Automobilindustrie. Der Traum, während einer langen und eintönigen Autofahrt ein Buch zu lesen oder das Smartphone zu bedienen, ist scheinbar zum Greifen nahe.

In der Tat sind die technologischen Fortschritte beachtlich. Schon heute sind Fahrzeuge im Premium-Segment dazu in der Lage, auf Autobahnen im unteren Geschwindigkeitsbereich weitgehend automatisch zu fahren. Dennoch wird vom Fahrer verlangt, das Verkehrsgeschehen ständig zu überwachen und jederzeit eingreifen zu können. Immerhin, vor wenigen Wochen hat der Gesetzgeber die Regeln für dieses sogenannte teilautomatisierte Fahren angepasst. [1] Der Fahrer muss nicht mehr zu jeder Zeit das Fahrzeug selbst steuern, sondern kann den teilautomatisieren Systemen einen Teil der Fahraufgabe überlassen. Aktuelle Systeme müssen aber nach wie vor vom Fahrer überwacht und notfalls übersteuert werden. Autofahrer müssen also – zumindest vorerst – auf Smartphones und Zeitung verzichten.

Freigabe teilautomatisierter Systeme

Alle Fahrzeuge benötigen bei Markteinführung sowohl eine firmeninterne Freigabe als auch eine Erlaubnis für den Betrieb– die sogenannte Typgenehmigung. Für teilautomatisierte Systeme muss hierfür vor allem die Kontrollierbarkeit nachgewiesen werden. Das bedeutet, dass der Fahrer, der das System ständig überwacht, eingreifen und im Rahmen seines Fahrkönnens das Fahrzeug kontrollieren kann. Es ist also nicht nötig, dass jede Verkehrssituation vom System alleine beherrscht wird. Doch wie wird ein Fahrzeug mit hochautomatisierten Fahrfunktionen freigegeben?

Freigabe hochautomatisierter Systeme

Für die Freigabe des hochautomatisiertem Fahrens reicht es nicht aus, den Nachweis zur Übernahmemöglichkeit zu erbringen, denn für den Fahrer entfällt die Verpflichtung, das Fahrzeug zu überwachen. Es ist also der Nachweis nötig, dass das Fahrzeug alle auftretenden Verkehrsszenarien so bewältigt, dass die Sicherheit im Straßenverkehr nicht beeinträchtigt wird. Es wird erwartet, dass das automatische Fahrzeugführungssystem („Fahrroboter“) nicht schlechter fährt als der Mensch. Paradoxerweise ist gerade das hohe Maß an Sicherheit im heutigen Verkehr für den Nachweis eine große Hürde. Heute geschieht in Deutschland etwa alle 2,4 Millionen Fahrkilometer ein schwerer Unfall und alle 660 Millionen auf der Autobahn ein Unfall mit Todesfolge. Reicht es also aus, eine dieser Strecken mit einem Testfahrzeug abzufahren, um die Sicherheit nachzuweisen? Nein, denn hier könnte auch rein zufällig der Unfall vermieden worden sein. Würden Sie vermuten, dass eine Münze zwei Kopf-Seiten hat, wenn diese nur wenige Male einmal vor ihnen geworfen wurde?

Für einen statistisch Nachweis ist eine deutlich größere Menge an Versuchen nötig. . Die statistische Auswertung von Testfahrten wird in [2-5] näher erläutert. Da bei jeder größeren Änderung oder spätestens bei einer neuen Fahrzeuggeneration eine neue Freigabe nötig wäre, ist diese Methode vom Aufwand her nicht tragbar.

Wege aus der Freigabefalle

Die Suche nach einem Weg aus der Freigabefalle ist Gegenstand aktueller Forschung Die Entwicklung alternativer Testmethoden steht im Fokus der beiden Forschungsprojekte PEGASUS [6] und ENABLE-S3 [7].

Quellen

[1]    http://www.zeit.de/mobilitaet/2016-04/autonomes-fahren-gesetzentwurf-verkehrsrecht-alexander-dobrindt
[2]    Winner, Hermann: ADAS, Quo Vadis?, in: Winner, Hermann et al. (Hrsg.): Handbook of Driver Assistance Systems: Basic Information, Components and Systems for Active Safety and Comfort, Springer International Publishing, Cham, 2016.
[3]    Wachenfeld, Walther; Winner, Hermann: Die Freigabe des autonomen Fahrens, in: Maurer, Markus et al. (Hrsg.): Autonomes Fahren, Springer Berlin Heidelberg, 2015.
[4]    Kalra, Nidhi and Susan M. Paddock: Driving to Safety: How Many Miles of Driving Would It Take to Demonstrate Autonomous Vehicle Reliability?, 2016.
[5]    Wachenfeld, Walther; Winner, Hermann: The new role of road testing for the safety validation of automated vehicles, in: Horn, Martin; Watzenig, Daniel (Hrsg.): Automated Driving: Safer and More Efficient Future Driving, Springer International Publishing, 2016.
[6]    http://www.bmwi.de/DE/Presse/pressemitteilungen,did=749340.html
[7]    http://www.ecsel-austria.net/files/ECSEL/newsletter/Veranstaltungen/14_00-ENABLE-S3-2016-04-07.pdf

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